Geopunkt Jurameer Schandelah

Ein naturhistorischer Forschungs- und Erlebnisort

 
 

Vision für die zukünftige Entwicklung

Im folgenden Neun-Punkte-Plan hat Dr. Rüdiger Scheller Anfang 2016 die künftigen Entwicklungsfelder für den Geopunkt Jurameer Schandelah aufgezeigt. Dieses Programm ist als eine offene Einladung an alle regional aktiven Personen und Initiativen gedacht.

Wir freuen uns auf Ihre Ideen zur Gestaltung und Zusammenarbeit.

1. Die Grabungen nach Fossilien

Ausgehend von dem geologisch besonders interessanten Posidonienschieferaufschluss hat das Staatliche Naturhistorische Museum Braunschweig (SNHM) in bisher zwei Grabungskampagnen wertvolle Fossilien geborgen, die für eine breite Öffentlichkeit von hohem Interesse sind. Dies hat unter anderem die im Jahre 2014 durchgeführte Sonderausstellung „Jurameer“ mit erheblichen Besucherzahlen bewiesen. Das Naturhistorische Museum erwartet mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums des Landes Niedersachsen in den nächsten Jahren dort weitere Funde durch weitere Grabungskampagnen. Ein entsprechendes Feld für die bisherigen und zukünftigen Grabungen ist vorgesehen.

2. Der außerschulische Lernort

Im Zusammenhang mit dieser Grabung ist durch die Bürgerstiftung Braunschweig initiiert ein Arbeitskreis entstanden, an dem neben der Bürgerstiftung die pädagogische Abteilung des SNHM, der "Geopark Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen" und Pädagogen teilnehmen, die den Standort zu einem außerschulischen Lernort zum Thema „Evolution“ entwickeln möchten. Die Voraussetzungen dafür im Gelände werden derzeit unter anderem mit der Errichtung eines Lernpavillons geschaffen. Es laufen Gespräche mit Schulen der Region zur Zusammenarbeit und konkreten Nutzung des Geopunkts Jurameer Schandelah als außerschulischen Lernort bereits in diesem Jahr.

3. Renaturierung und Naturlehrpfad

Der weitgehend bewaldete Geländestreifen des Geopunkts Jurameer Schandelah ist für weitere Aktivitäten von großem Interesse. Der Bestand des Buchen-Eichen-Mischwaldes und der nach Abholzung eines nicht-standortgerechten Fichtenbestandes neu aufgeforsteten Eichen-Buchen-Schonung kann dazu dienen, einen Naturlehrpfad für Schüler, die den außerschulischen Lernort besuchen, aber auch für ein breites öffentliches Publikum mit entsprechenden Informationen über Fauna und Flora herzustellen.

4. Einbindung Geopark Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen

Der Aufschluss wird nach Beendigung und zu verabredeten Zeiten während der Grabungsphase für interessierte Laien und Besucher des „Geoparks Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen“ als offizieller Geopunkt Jurameer Schandelah hergerichtet und werblich durch den Geopark mit neuer Trägerschaft begleitet werden. Dieser ist kürzlich als UNESCO-Geopark als einer von sechs weiteren Geoparks in Deutschland international anerkannt worden und hat damit einen hohen Stellenwert für das regionale Marketing.

5. Ausbau Wasserbiotop mit Amphibien

Weiterhin ist das Objekt auch geeignet, ein schon bestehendes Wasserbiotop, das sich an der Sohle des Posidoniensteinbruchs in dem noch nicht verschütteten Bereich entwickelt hat, zu sichern und zu entwickeln. Dort ist mit Unterstützung des SNHM und eines Fachmanns für Amphibien eine Amphibienansiedlung für dort nicht mehr lebende, aber früher vorhandene Amphibien (u.a. Geldbauchunke und Laubfrosch) vorgesehen. Dieses Ansiedlungsprogramm wird Unterstützung durch Naturschutzverbände erfahren.

6. Modellprojekt Sanierung Müllkippe

Auf einem Großteil des alten Steinbruchs befindet sich eine Nachkriegsmüllkippe aus Hausmüll und Bauschutt. Diese wurde bereits im Rahmen eines Gutachtens als weitgehend unschädlich qualifiziert. Gleichwohl ist dies ein Schandfleck und ein Aufhänger, langfristig eine Beseitigung dieses Mülls zu erreichen, um einerseits potentielle Grabungsfelder, die damit verschüttet wurden, zu öffnen um weitere Funde zu generieren, andererseits aber auch um die Umweltpädagogik zu fördern. Wir haben die Idee, dass ein kleiner Teil dieser Mülldeponie mit einem Querschnitt erhalten bleiben solle, um zu verdeutlichen, mit welchem Bewusstsein in den 50er und 60er Jahren die Bevölkerung und die öffentliche Hand mit Umweltproblemen umgegangen ist. Durch die geänderten Vorschriften kann sich das zwar nicht mehr wiederholen, gleichwohl gibt es eine ganze Reihe von derartigen Müllkippen auch in unserer Region. Mit einem kooperativen Modellvorhaben in der Region könnte eine wegweisende Lösung für die Beseitigung dieses Mülls aufgezeigt werden.

7. Vernetzung umliegender Biotope

Der Standort ist aus natur- und landschaftsschützender Sicht strategisch interessant, weil er sich in unmittelbarer Nähe der Wildtierbrücke zur A39 befindet und mit wenig Aufwand mit anderen Gehölzen vernetzt werden könnte, sodass eine Verbindung von der Wildbrücke über das Gehölz zu unserem Standort und dann weiter zu dem Standort der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, die das gesamte Gelände des Truppenübungsplatzes betreut, hergestellt werden kann. Diese Vernetzung zur Verbesserung des Austausches zwischen einzelnen singulären Standorten ist ein langfristig wünschenswertes Ergebnis, um den Austausch von Fauna und Flora zu verbessern.

8. Lokale Dauerausstellung der Funde

Langfristig wäre eine Dauerausstellung an einem möglichst in der Nähe befindlichen Standort zur Präsentation der Funde der bisherigen Grabungskampagnen, aber auch der früheren Funde, sinnvoll. Diese befinden sich zum großen Teil in Privatbesitz, haben aber aufgrund ihrer außergewöhnlichen und besonderen Qualität schon bei der Sonderausstellung des SNHM im Jahre 2014 eine erhebliche Rolle gespielt. Zur Gewinnung eines geeigneten Standorts für dieses Vorhaben laufen bereits Gespräche mit der Gemeinde Cremlingen.

9. Erinnerung an NS-Historie

Es gibt auch noch einen weiteren Punkt, der zeithistorisch von Interesse ist. In unmittelbarer Nähe des Projektes, ca. 300 bis 400 Meter Luftlinie, befindet sich das ehemalige Außenlager des KZ Neuengamme. Dort ist auch eine Gedenkstätte für die dort umgekommenen Zwangsarbeiter errichtet. Zur Gewinnung von Treibstoff für das Dritte Reich wurden auch in unserem Steinbruch erhebliche Materialien (Ölschiefer) geborgen. Es empfiehlt sich, die Veröffentlichung und Erarbeitung der Historie dieses Standortes in Verbindung mit unserem Projekt zu konkretisieren und alle dazu bereits existierenden lokalen Initiativen direkt mit einzubeziehen.